Limeshain und seine Asylanten

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Schon seit längerer Zeit haben wir Gäste hier in Limeshain. Es handelt sich um Menschen, die in großer Not ihre Heimat verlassen haben und die unserer Gemeinde durch eine zentrale Behörde für einen unbekannten Zeitraum zugeteilt wurden.

Dies ist nicht der Zeitpunkt für „große Politik“ in der „kleinen Gemeinde“ Limeshain. Zu vielfältig sind die Blickwinkel, die persönlichen Auffassungen und Argumente. Und zu dick sind die Bretter, die es zu bohren gilt, um von hier aus Veränderungen in der Welt oder auch nur in Deutschland zu bewirken. Einigkeit scheint bei der Thematik offensichtlich nur darin zu bestehen, dass „nicht alles gut organisiert“ ist.

Aber wir können hier vor Ort entscheiden, wie wir mit dem gegebenen Sachverhalt umgehen. So wie ich die Situation einschätze, sind die Menschen vernünftig untergebracht und werden mit viel Engagement von den zuständigen Mitarbeitern und nennenswerter ehrenamtlicher Hilfe betreut. Aufgrund der – wie man heute formuliert – beschränkten personellen Ressourcen ist dies aber nur mit Einschränkungen leistbar. Wie „eigentlich überall“ sind es mindestens zwei Themen, die wir auch hier in Limeshain bisher nicht für alle Beteiligen zufriedenstellend lösen (können). Diese Themen sind für uns, die Gastgeber in Limeshain wichtig. Und die betroffenen Menschen aus Eritrea oder Syrien nennen die gleichen zentralen Themen:

  • Die Sprache! Überall in Deutschland wird zu Recht festgestellt, dass eine Integration (oder auch nur ein vernünftiges Miteinander) nur erfolgen kann, wenn die neuen Mitbürger unsere Sprache lernen. Die Bereitschaft dazu ist riesengroß. Es gibt auch bereits einen kleinen ehrenamtlichen Beitrag in unserer Gemeinde. Der derzeit leistbare Zeitaufwand reicht aber nicht aus, um der doch schon recht großen Gruppe auch nur eine halbwegs vernünftige Chance zu geben, unsere Sprache wenigstens so weit zu lernen, dass wir uns alle auch nur „etwas verständigen können“.
  • Etwas Sinnvolles tun! Stellen Sie sich doch einmal vor: „Sie sind gesund, leistungsfähig und engagiert. Wenn Sie morgens wach werden, wissen Sie genau, dass Sie den ganzen Tag über nichts anderes tun dürfen (können) als Essen und Trinken – und vielleicht noch etwas Reden mit den Menschen, die mehr oder weniger zufällig in Ihrem Umfeld sind“. Die Menschen aus Eritrea und Syrien, die hier bei uns wohnen, wünschen sich in der überwiegenden Anzahl nichts mehr, als sich sinnvoll beschäftigen zu können. Und in der öffentlichen Wahrnehmung ist immer auch zu hören, dass sich die deutsche Bevölkerung darüber mokiert, dass „unsere Gäste nichts tun“.

Wenn wir nur in dem bestehenden formalen Rahmen denken, wird sich die Situation nicht ändern lassen. Wir haben es aber selbst in der Hand, einen Versuch zu starten, dass es in Limeshain „einen Schnaps besser geht“. Eine vernünftige Nachbarschaft geht alle an. Deshalb sollten wir uns von dem Gedanken trennen, dass es sich um ein „soziales Thema“ handelt, bei dem „Sozialarbeiter“ gefordert sind. Lassen Sie uns Gewerbetreibende doch einmal mit an die Spitze der guten Nachbarschaft gehen. Vielleicht gelingt es uns ja, gemeinsam etwas in Bewegung zu setzen, von dem am Ende alle profitieren.

Die Idee ist, dass die „Gruppe der Gewerbetreibenden“ in Limeshain sich jeweils mit einem kleinen Beitrag für die Belange unserer Gäste, der Asylanten engagiert. Die „Gruppe der Asylanten“ ist dafür bereit, der Gemeinschaft in Limeshain und damit auch den gewerblich Tätigen „etwas zurückzugeben“. Wie kann dieser Gedanke praktisch gelebt werden?

  • In der Gruppe der Asylanten sind viele Mitglieder, die gerne etwas Sinnvolles tun wollen und auch können. Konkret sind diese Menschen offensiv bereit, Arbeit – in welcher Form auch immer – zu leisten. In der Zusammenkunft „2. Runder Tisch Flüchtlinge“ am 04.02.15 war große Bereitschaft zu sinnvoller ehrenamtlicher Beschäftigung (Synonym: Garten umgraben) zu hören. Sicher gibt es im Kreise der gewerblichen Unternehmer vielfältige Möglichkeiten, ein derartiges Engagement so zu steuern, dass einige Asylanten immer wieder einmal sinnvoll (für den Asylanten und den Unternehmer) beschäftigt werden. Nach den Gesetzesänderungen der letzten Monate sollten juristische Gründe dem nicht mehr entgegenstehen.

Was kann im Gegenzug die Gruppe der Gewerbetreibenden außer der Möglichkeit zur sinnvollen Beschäftigung anbieten:

  • Natürlich zunächst der Gruppe ermöglichen, mit intensivem Lernen der deutschen Sprache mächtig zu werden. Vielleicht gelingt es uns, jemanden zu finden, der bereit ist, für eine überschaubare Aufwandsentschädigung einige Wochen einen derartigen Intensivkurs durchzuführen. Vielleicht sogar einen Landsmann unserer Gäste, der schon einige Jahre in Deutschland lebt? Wir reden ja hier nicht über ein Studium, sondern über praktische Lebenshilfe!
  • Benötigt wird – insbesondere für die Jugendlichen – ein „Rückzugsraum“, um in Ruhe Hausaufgaben zu machen und zu lernen. Wir können uns sicher alle vorstellen, dass dies in der engen Atmosphäre in der derzeitigen Unterkunft kaum möglich ist. Vielleicht gibt es ja in unserem Kreis einen Unternehmer, der temporär einen solchen Raum (der ruhig spartanisch sein darf) zur Verfügung stellen kann.
  • Und letztendlich benötigen die Asylanten, wenn sie denn unsere Sprache lernen sollen, einige Sprachbücher.

Die Idee ist also, Sie zu ermuntern, es mit einem ganz kleinen Geld- oder Sachbeitrag der Gruppe der Unternehmer in Limeshain zu ermöglichen, die Gruppe der Asylanten in Limeshain am normalen Leben ein ganz klein wenig teilhaben zu lassen. Im Gegenzug ist die Gruppe der Asylanten bereit, sinnvolle Tätigkeiten im Rahmen der Möglichkeiten zu übernehmen.

Bei einer derartigen Initiative lassen sich keine formalen Verträge abschließen. Wir reden über „Freiwilligkeit in beiden Gruppen“. Mit etwas gutem Willen aber haben wir vielleicht in 4 bis 12 Wochen eine Situation, dass alle Beteiligten feststellen: „Wir haben es in Limeshain etwas besser gemacht“. Und vielleicht gibt es ja sogar im Einzelfall eine Beziehung zwischen Asylanten und Unternehmer, die so viel Spaß macht, dass sie von Dauer ist. Unabhängig davon denke ich, passt es gut zu uns Gewerbetreibenden in Limeshain, bei passenden Themen einmal „Flagge zu zeigen“. Und welches Thema würde sich besser eignen? Vielleicht stärkt die Thematik sogar unser Image – ist ja auch kein unmittelbarer Schaden!

Lassen Sie sich also bitte „etwas schubsen“ und geben Sie die Anlage zu diesem Standpunkt bitte ausgefüllt an den Gewerbeverein Limeshain e.V. zurück. Die praktische Ausgestaltung der Absprache mit den Asylanten wäre der zweite Schritt. Der Start ist ein positives Echo aus Ihrem Kreis.

Und natürlich will ich es nicht versäumen, etwas für unseren Gewerbeverein zu werben. Ich bin einfaches Mitglied in diesem noch kleinen Kreis. Allerdings überzeugt davon, dass es für die Gemeinde und uns Gewerbetreibende nur positiv sein kann, wenn es gelingt, die Gemeinschaft durch möglichst viele Mitglieder zu stärken.

Vielen Dank für Ihr Lesen → und Ihre Antwort! Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung!

Limeshain, 15.03.2015

Ernst Reutzel

Merkantil – Beratung GmbH

https://www.merkantil.org/category/standpunkt

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