Lust auf Abenteuer? ► ► ► ►Ein Plädoyer für Langeweile!

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War auch Ihr Start in das neue Jahr voll mit guten Vorsätzen? Unterlegt vielleicht auch mit einer Fülle von Ideen, wie Sie die nächsten 12 Monate Schwung in Ihr Leben bringen können. Glückwunsch! Es gibt sicher nur wenig Angenehmeres, als voller Tatendrang und Optimismus in einen neuen Lebensabschnitt zu starten.

Hochkonjunktur haben zum Jahreswechsel stets die guten Ratgeber für Ihre Vermögensanlage. Kurs- oder Preisprognosen für nahezu alles, was man kaufen kann, sind fester Bestandteil der Tages- und Wirtschaftspresse. Und selbst wenn der eine oder andere Investor schon hier und da einmal Geld verloren hat, oft sind die schnell gegebenen Empfehlungen (von all den heißen Tipps gar nicht zu reden), die Sie, den Unternehmer im Laufe eines Jahres erreichen, recht verführerisch.

Die Historie an “richtig guten Anlageempfehlungen“ ist lang. Insbesondere in Verbindung mit dem Schlagwort „Steuern sparen“ bedurfte (bedarf?) es nur einer durchschnittlichen Überzeugungskraft des Verkäufers, um den Anleger zügig dazu zu bringen, ihm bzw. einem Dritten einen großen Teil seines meist schwer erarbeitenden Vermögens anzuvertrauen. Oft handelt es sich bei dem Dritten (das ist derjenige, der dann das Geld hat) um Unternehmen bzw. Personen, die dem Anleger völlig oder weitgehend unbekannt sind. In vielen Fällen versteht er nicht einmal genau, was der Andere eigentlich mit seinem Geld macht.

Würden Sie Ihrem Nachbarn, den Sie seit einigen Jahren kennen, wirklich innerhalb weniger Tage (manchmal auch innerhalb weniger Stunden) eine Summe von            € 20.000,00 oder auch € 100.000,00 geben, damit er damit in sein Unternehmen investieren kann? Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ihm das Geld leihen sollen oder ob Sie einen kleinen Teil der Firma übernehmen sollen. Warum eigentlich nicht? Sie kennen Ihren Nachbarn, Sie wissen genau, welche Arbeiten er mit seinem Unternehmen übernimmt und er hat Ihnen doch – als er Sie fragte – auch seinen Jahresabschluss vorgelegt. Und Sie sind überzeugt, der Mann ist anständig und zuverlässig. Wenn Sie dann trotzdem länger zögern, ihm seine Frage positiv zu beantworten sind Sie sicher in guter Gesellschaft. Die wenigsten Kapitalanleger würden das Geld ihrem Nachbarn als Kredit oder Beteiligungskapital zur Verfügung stellen.

Die Neigung, wildfremden Menschen größere Summen anzuvertrauen, ist da schon deutlich größer. Und immer dann, wenn Sie Ihr Geld „anlegen“, bedeutet das nichts anderes, als dass Sie entweder Dritten (auch Banken) Geld leihen oder irgendetwas kaufen in der Hoffnung, dass Sie das Gekaufte in der Zukunft wieder verkaufen können und das – hoffentlich – zu einem höheren Preis.

Woher kommt die Handlungsweise, bei der Geldanlage guten Bekannten weniger zu vertrauen als wildfremden Menschen. Noch dazu, wo doch mittlerweile jedem Anleger bekannt sein sollte, dass es der Beruf der Berater ist, ihm „etwas zu verkaufen“. Den Anleger also mit mehr oder weniger guten Argumenten dazu zu bringen, sein Vermögen oder erhebliche Teile davon fremden Leuten zu geben. Ich kann diese Frage nicht beantworten, möchte Sie aber nachdenklich machen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 09.01.2015 (Seite 23): „Mit ihren Prognosen für das Zinsjahr 2014 lagen die Banken gleichwohl ziemlich daneben“. Es waren natürlich nicht nur die Banken. Prognosen sind immer in die Zukunft gerichtet. Und wenn das schon mit den Zinsen nicht klappt (nicht klappen kann), und beispielsweise der VW-Konzern in seinem letzten Geschäftsbericht 13 DIN – A4 – Seiten benötigt, um die Risiken und die Chancen der eigenen Geschäftstätigkeit darzulegen, wie soll dann der Anleger (also Sie) oder der Angestellte einer Bank wissen, welche Aktie eines Unternehmens in den USA, Japan oder auch nur Frankreich eine gute Entwicklung haben soll. Ganz zu schweigen von der Frage, wie sich Rohstoffe oder Euro und Rubel entwickeln.

Wenn Sie also auch Hemmungen haben, Ihrem Nachbarn etwas Geld anzuvertrauen, dann sollten Sie die gleiche Zurückhaltung auch bei Dritten an den Tag legen. Wenn Ihnen diese Empfehlung zu langweilig ist und Sie „etwas Lust auf Abenteuer haben“ (die übrigens bei der Geldanlage weit verbreitet ist), dann gilt die dringende Empfehlung: Teilen Sie Ihr Geld auf in den Teil, den Sie auf Dauer anlegen wollen und einen (hoffentlich kleineren) Teil, mit dem Sie Ihrer Abenteuerleidenschaft ohne dauerhaften Schaden für Ihr Leben nachgehen können.

Empfehlungen für Ihre Abenteuer können Sie hier nicht erwarten. Sollten Sie aber nach dieser „langweiligen“ Empfehlung noch Interesse haben: Die nächste Ausgabe wird konkrete Hinweise für Anlagestrategien ganz ohne Abenteuer geben.

Limeshain, Januar 2015

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